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Hämorrhoiden

Hämorrhoiden – Was ist das?

Über Hämorrhoiden spricht niemand gerne. Was viele nicht wissen: jeder hat sie und braucht sie auch! Beschwerden entstehen bei krankhaft vergrößerten Hämorrhoiden. Dann liegt ein "Hämorrhoidalleiden" vor.

Hämorrhoiden – Ein nicht seltenes Leiden

Hätten Sie es gedacht? Jeder Mensch hat Hämorrhoiden (auch: Hämorriden). Es handelt sich dabei um ein gut durchblutetes Gefäßpolster, das ringförmig am Ausgang des Enddarms am Übergang zum Analkanal, etwa drei bis vier Zentimeter oberhalb des Afters sitzt. 

Hämorrhoiden sorgen im Zusammenspiel mit den Schließmuskeln und der Beckenbodenmuskulatur für die Feinabdichtung des Darms. Im Ruhezustand sind sie prall gefüllt, ein unerwünschter Abgang von Darminhalt wird so verhindert. Bei der Darmentleerung schwellen sie wieder ab und der Stuhl kann entweichen. Hämorrhoiden sind somit wichtige Helfer zum Erhalt der Darmkontinenz und des kontrollierten Stuhlgangs.

Wie kommt es zu den lästigen Symptomen am After, sodass längeres Sitzen und Stuhlgang zur Qual werden?

Wenn jemand sagt, „Ich habe Hämorrhoiden“ ist damit genau genommen das Hämorrhoidalleiden gemeint. Bei dieser Erkrankung sind die Hämorrhoiden vergrößert, meist entzündet und können nach außen vorfallen. Typische Beschwerden sind Juckreiz, Nässen und Brennen sowie Schmerzen beim Stuhlgang. Betroffene können auch hellrote Blutspuren am Toilettenpapier bemerken.

Wie häufig ist das Hämorrhoidalleiden?

Wie weit verbreitet das Hämorrhoidalleiden in der Bevölkerung ist, lässt sich nicht ganz genau sagen. Der Grund dafür ist, dass viele Betroffene aus Scham über ihre Beschwerden schweigen und auch häufig nicht mit ihrem Arzt darüber sprechen. Experten schätzen, dass etwa jeder Dritte der erwachsenen Bevölkerung vergrößerte Hämorrhoiden hat.

Bekannt ist, dass die Häufigkeit der Erkrankung mit dem Alter zunimmt. Denn eine wichtige Ursache für das "Ausleiern" der Hämorrhoiden ist die Erschlaffung des Bindegewebes, welche mit dem Älter werden einhergeht.

Was sind typische Symptome bei Hämorrhoidalleiden?

Wenn die Hämorrhoiden „ausleiern“, können sie nach außen vorfallen und sich dabei entzünden. Die Folge sind unangenehme Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Nässen und Entzündungen im Po-Bereich.

Jucken oder Brennen

Juckreiz stellt sich oft nach langem Sitzen ein. Manchmal juckt es äußerlich, manchmal innerlich, manchmal beides zusammen. Im Alltag ist das sehr belastend. Der Juckreiz kann nach dem Stuhlgang noch unangenehmer werden, meist kommt dann noch ein brennendes Gefühl hinzu.

Nässen

Vergrößerte Hämorrhoiden gehen häufig mit Nässen einher, weil die Feinabdichtung des Darms gestört ist. Dadurch kann die Haut im Analbereich wund werden.

Blutungen (helles Blut im Stuhl)

Die entzündete Haut und Schleimhaut am After können schon bei leichten Reizungen oberflächlich bluten. Spätestens jetzt sollte der Arzt aufgesucht werden.

Fremdkörpergefühl – besonders beim Sitzen

Da die Hämorrhoiden nicht mehr normal funktionieren, kann nach dem Stuhlgang das Gefühl entstehen, als sei der Darm nicht vollständig entleert, als wäre ein Fremdkörper zurückgeblieben.

Schmerzen beim Stuhlgang

Je größer die Hämorrhoiden werden, desto schmerzhafter kann es sein, wenn Stuhl abgeht. Der Grund dafür ist der Druck bei der Darmentleerung, auf den die vergrößerten Hämorrhoiden besonders empfindlich reagieren. Der Schmerz kann sich bei austretenden Hämorrhoiden, wenn diese vom Schließmuskel eingeklemmt werden, noch verstärken.

Hämorrhoidalleiden: Vier Schweregrade

Die Beschwerden, die Hämorrhoiden verursachen, sind abhängig vom Stadium der Erkrankung. Dabei stehen häufig Juckreiz, Brennen und kleine Blutungen im Vordergrund.

Grad 1

Der Elastizitätsverlust des Bindegewebes und die Vergrößerung der Hämorrhoiden findet zunächst unbemerkt statt. Hämorrhoiden 1. Grades sind daher weder tastbar noch von außen sichtbar. Die leichte Schwellung des Gefäßpolsters lässt sich nur bei einer Spiegelung des Analkanals und unteren Enddarms (Proktoskopie) erkennen.

Meist bestehen noch keine Beschwerden. Nur wenn harter Stuhl die Hämorrhoiden verletzt, kann das leichte Blutspuren auf dem Stuhl oder Toilettenpapier hinterlassen. Zusätzlich kann ein Fremdkörpergefühl im Analbereich auf beginnende Veränderungen des Gefäßpolsters hinweisen.

Grad 2

Bei Hämorrhoiden 2. Grades ist das Gefäßpolster schon etwas stärker vergrößert. Das lässt sich auch mit dem Finger ertasten. Die Hämorrhoiden können durch Pressen (wie beim Stuhlgang) aus dem After heraustreten, gleiten nach dem Stuhlgang spontan wieder zurück.

Die Feinabdichtung des Darms wird zunehmend gestört. Durch das ständige Nässen herrscht in der Gesäßfalte ein feuchtes, zum Teil aggressives Milieu, das die empfindliche Haut angreift. Es entwickeln sich nun die typischen Beschwerden wie Entzündungen, Juckreiz, Brennen und kleinere Blutungen. Hinzu kommen Schmerzen beim Stuhlgang, das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung und oft auch nässende Ekzeme im Afterbereich. Die Hämorrhoiden können beim Stuhlgang nach außen vorfallen, ziehen sich aber meist spontan wieder zurück.

Grad 3

Hämorrhoiden 3. Grades treten ebenfalls beim Pressen heraus, können sich aber nicht mehr von allein nach innen zurückziehen. Man kann sie jedoch mit dem Finger wieder nach innen zurückschieben.

Die Beschwerden verstärken sich durch die weitere Zunahme der Hämorrhoidengröße und der Entzündung. Juckreiz, Brennen und Blutungen gehen jetzt mit teils massiven Schmerzen, Nässen und Schleimabgang einher. Bereits bei körperlichen Belastungen treten die Hämorrhoidalknoten nach außen und sind tastbar. Zudem ziehen sie sich nicht mehr selbstständig zurück, können aber noch zurückgedrückt werden.

Grad 4

Bei diesem schwersten Ausprägungsgrad lassen sich die Hämorrhoiden nicht mehr in den After zurückschieben.

Die Schmerzintensität nimmt zu, der Stuhl kann oft nicht mehr gehalten werden. Die Hämorrhoiden liegen nun andauernd außerhalb des Analkanals und lassen sich auch nicht mehr zurückschieben. Der Arzt spricht in diesem Fall von einem Analprolaps.

Gut zu wissen:
Circa 90 Prozent aller Hämorrhoidalleiden entfallen glücklicherweise auf Grad 1 und 2. Diese können zunächst medikamentös mit Salben und Zäpfchen behandelt werden. Beim Schweregrad 3 und 4 nehmen die Beschwerden weiter zu. Dann reicht eine Behandlung der Symptome allein mit Medikamenten meist nicht mehr aus.

Je früher Hämorrhoiden behandelt werden, desto einfacher ist die Behandlung. Bereits mit Eintritt der ersten Beschwerden sollten Arzt oder Apotheker angesprochen werden.

Hämorrhoidalleiden: Diagnose

Viele Patienten empfinden es als unangenehm oder sogar beschämend, über Symptome wie Juckreiz am After oder Blut im Stuhl zu sprechen. Dennoch sollten Sie möglichst frühzeitig zum Arzt gehen, wenn Sie solche Beschwerden haben.

Welcher Arzt ist zuständig?

Sie können sich entweder an Ihren Hausarzt oder an einen Facharzt wenden. Ein Proktologe ist ein Arzt, der sich als Spezialist für Erkrankungen des Enddarms auch um die Diagnose und Behandlung von Hämorrhoidalleiden kümmert. Sie können auch zu einem Gastroenterologen gehen, einem Facharzt für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

Das Arzt-Patienten-Gespräch

Der Arzt wird Sie zuerst genau zu Ihren Symptomen befragen. Geben Sie ihm möglichst offen Auskunft, damit er am Ende auch die richtige Diagnose stellen kann. Sie müssen sich auch nicht schämen – für den Arzt gehört es zum Berufsalltag, mit seinen Patienten über sehr persönliche und intime Dinge zu sprechen, auch über Hämorrhoiden.

Der Arzt erkundigt sich im Gespräch auch nach Faktoren, die der Grund für Hämorrhoiden sein könnten. Er fragt zum Beispiel, wie Sie sich ernähren, welche Arzneimittel Sie einnehmen, wie oft Sie Stuhlgang haben und ob Sie öfters unter Verstopfung leiden.

Körperliche Untersuchungen bei Hämorrhoiden

Nach der äußeren Untersuchung und vorsichtigen Tastuntersuchung hat der Arzt oft schon Hinweise ob tatsächlich Hämorrhoiden vorliegen. Um die Diagnose abzusichern, führt er eine kurze Röhre (Proktoskop) in den Analkanal ein.

Je nach Befund und um andere, ernste Ursachen für Blutungen aus dem Darmbereich auszuschließen, führt er möglicherweise noch eine Spiegelung des Enddarms (Rektoskopie) oder Dickdarms (Koloskopie) durch.

Proktoskopie

Bei der Proktoskopie begutachtet der Arzt die letzten zehn Zentimeter des Enddarms (einschließlich des Analkanals). Dazu führt er vorsichtig ein Endoskop in den After ein, ein kurzes Metallrohr mit einer Lichtquelle und einer Vergrößerungsoptik (Linse). Zuvor bekommt der Patient einen Einlauf, um den Enddarm von Stuhlresten zu befreien. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist im Allgemeinen nicht schmerzhaft.

Rektoskopie

Bei der Rektoskopie wird der ganze Enddarm endoskopisch untersucht. Meist wird ein flexibles, schlauchförmiges Endoskop verwendet. Auch hierbei wird der Enddarm zuvor mittels Einlauf gereinigt.

Koloskopie

Bei der Koloskopie sieht sich der Arzt den gesamten Dickdarm von innen an. Dazu verwendet er ein schlauchförmiges, flexibles Endoskop mit einer winzigen Kamera an der Spitze. Damit auch feinste Veränderungen der Darmschleimhaut genau gesehen werden können, ist ein gute Vorbereitung wichtig.

Während früher drastische Abführmaßnahmen getroffen werden mussten, ist der Ablauf heutzutage entspannter. Drei Tage vor der Untersuchung dürfen Sie keine Lebensmittel, die Körner enthalten, z. B. Müsli, Vollkornbrot, Beeren, Kiwi, Trauben, verzehren. Am Tag vor der Darmspiegelung dürfen Sie nur leicht verdauliche Kost z. B. Weißbrot, Joghurt, Gemüsebrühe zu sich nehmen. Um eine gute Darmentleerung zu erreichen, reicht in der Regel die Einnahme einer Abführflüssigkeit am Vorabend und am Morgen der Untersuchung aus.

Um eventuelle Schmerzen bei der Koloskopie zu vermeiden, werden meist ein Schmerz- und ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Wie kann man Hämorrhoidalleiden behandeln?

Nicht alle vergrößerten Hämorrhoiden verursachen Beschwerden. Wenn sie Symptome wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen beim Stuhlgang auslösen, sollten man nicht zögern, sondern zeitnah behandeln. Die positive Nachricht: Im Frühstadium, genügt meist eine medikamentöse Behandlung mit Salben oder Zäpfchen. Erst wenn vergrößerte Hämorrhoiden zeitweise oder dauerhaft aus dem After herausragen, sollte man sie verkleinern lassen. Keine Sorge, meist lässt sich die Verkleinerung mit minimalem Aufwand z. B. mit Verödung oder dem Abbinden ausgeleierter Gewebeanteile erreichen.

Was hilft gegen Hämorrhoiden?

Die Hämorrhoiden-Behandlung richtet sich im Wesentlichen nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Ausmaß der Beschwerden.

Als Faustregel gilt: In den Anfangsstadien (Grad 1 und 2) können die Hämorrhoidenbeschwerden zunächst medikamentös behandelt werden. Sollte sich die Symptome nicht bessern lassen bzw. bei stark vergrößerten Hämorrhoiden (Grad 3 und 4), kommen verschiedene Verfahren zur Verkleinerung zum Einsatz.

Was tun bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades?

Bei Hämorrhoiden 1. oder 2. Grades reichen in der Regel medikamentöse Maßnahmen, um eine Besserung zu erzielen – zusammen mit einer Änderung des Lebensstils (siehe unten).

Medikamente wie Hämorrhoiden-Salbe und Hämorrhoiden-Zäpfchen können die leichten bis mittleren Beschwerden lindern. Pflanzliche Medikamente enthalten zum Beispiel Wirkstoffe aus der Heilpflanze Zaubernuss (botanisch Hamamelis virginiana). Diese sind in der Apotheke erhältlich.

Bei sehr starken Schmerzen werden auch Salben mit einem Lokalanästhetikum zur kurzfristigen Betäubung, z. B. Lidocain eingesetzt. Diese dürfen nur kurzfristig angewendet werden (max. 3 Tage).

Hämorrhoiden behandeln durch Verödung

Wenn sich bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades die Symptome mit Hämorrhoidensalbe/-zäpfchen, Sitzbädern, ballaststoffreicher Ernährung & Co. nicht ausreichend lindern lassen, kann der Arzt die erweiterten Gefäße veröden. Dazu spritzt er an verschiedenen Stellen wenige Tropfen eines Verödungsmittel unter die Schleimhaut der vergrößerten Hämorrhoiden. Dies bewirkt eine Festigung und Fixierung des vorfallenden Gewebes. Zusätzlich kommt es zu einer kleinen Entzündung, die in der Folge eine Narbe ausbildet. Da Narben schrumpfen, schrumpft auch die Hämorrhoide.

Die Verödung ist in der Regel schmerzfrei und wird in mehreren Sitzungen ambulant durchgeführt. Bereits nach der ersten Behandlung sind bei vielen Patienten die Hämorrhoidenbeschwerden bereits deutlich gebessert. Der Eingriff wird auch als Sklerosierungs- oder Injektionstherapie bezeichnet.

Gummibandligatur (Gummiringligatur)

Bei Hämorrhoiden 2. Grades kann der Arzt auch eine sogenannte Gummibandligatur durchführen. Dazu saugt er die Hämorrhoiden an und bindet sie mit kleinen Gummibändern oder Gummiringen ab. Das abgebundene Gewebe schrumpft und fällt innerhalb von zwei Wochen mit dem Gummiring ab und wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Der Patient merkt meist nichts davon. Gelegentlich kommt es zu einer kleinen, in der Regel harmlosen Blutung.

Bei sachgemäßer Durchführung ist auch diese Behandlung schmerzfrei.

Wie das Veröden muss auch die Gummibandligatur im Abstand weniger Wochen mehrmals wiederholt werden, um alle vergrößerten Hämorrhoiden zu beseitigen.

Was tun bei Hämorrhoiden dritten und vierten Grades?

Bei sehr vergrößerten und vorfallenden Hämorrhoiden (Grad 3 und 4) ist die operative Entfernung des erweiterten Hämorrhoiden-Gewebes die beste Therapiewahl.

Stapler-Operation

Die Stapler-Methode ist ein Operationsverfahren, mit der sich vor allem Grad-3-Hämorrhoiden behandeln lassen, also Hämorrhoiden, die aus dem After heraustreten, aber sich mit dem Finger wieder zurückschieben lassen. Der Darm bekommt bei diesem Verfahren ein „anales Lifting“: Der Chirurg entfernt zuerst das erweiterte Hämorrhoiden-Gewebe und befestigt das verbliebene Gewebe danach mithilfe eines speziellen Klammernahtgeräts (engl. „stapler“ = Klammerapparat) wieder an der Analschleimhaut.

Im Vergleich zu gängigen Hämorrhoiden-OP-Verfahren hat die Stapler-Methode einige Vorteile: Der Eingriff dauert weniger lange und ist schonender. Die Patienten haben hinterher weniger Schmerzen, dürfen das Krankenhaus schneller verlassen und ihre normalen Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen.

Über Hämorrhoiden spricht niemand gerne. Doch je früher behandelt wird, desto besser können die Symptome bekämpft werden.

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